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Material:
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1-2 ml Serum, ggf. bei V.a. Neurolues 2 ml Liquor |
 | ggf. Abstichpräparat |
Erreger:
 | Taxonomie:
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 | gramnegatives Bakterium:
 | 0,2 µm dick und 5-20 µm lang |
 | spiralig gewunden (6–14
regelmäßige, relativ enge
Windungen) |
 | Dunkelfeld-Lichtmikroskop:
Rotation um die Längsachse
sowie Beugebewegungen ohne
selbständige Fortbewegung |
 | schlechte Farbaufnahme von
Anilinfarben (pallidum = bleich) |
 | mikroaerophiles Wachstum |
 | apathogenen Spirochäten →
länger und weniger Windungen |
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Treponema pallidum Subspezies Pallidum: Syphilis (Lues)
Diagnostisches Procedere:
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Fragestellung
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Test
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Aussage, wenn
der
Test positiv ist:
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Suchtest |
 | TPHA-Test
T. pallidum-Partikelagglutinationstest, T.
pallidum-Latexagglutinationstest |
 | T. pallidum-ELISA (kompetitiv) |
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 | Verdacht auf Lues-Infektion |
 | unspezifische (Kreuz-) Reaktion mit z.B.
apathogenen Treponemen, Borrelien, Campylobacter, etc. möglich |
 | 3-5 Wochen nach der Infektion
ist ein positives Ergebnis zu
erwarten |
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Bestätigungstests |
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 | Lues-Infektion gesichert |
 | keine Aussage, ob es sich um eine Serumnarbe oder
eine frische Infektion handelt |
 | 3-4 Wochen nach der Infektion
ist ein positives Ergebnis zu
erwarten |
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Bewertung einer
Behandlungsbedürftigkeit |
 | IgM-Test:
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 | behandlungsbedürftige Lues-Infektion gesichert |
 | der IgM-Nachweis gelingt maximal 1-2 Jahre nach
einer antibiotisch sanierten
Infektion |
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Verlaufskontrolle nach Behandlung |
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 | Lues-Infektion nicht ausreichend therapiert |
 | frühestens 4-6 Wochen nach
der Primärinfektion ist ein positives
Ergebnis zu erwarten |
 | in 0,2 % der Fälle kommt es
zu falsch positive Reaktionen |
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| Direktnachweis |
 | direkter IFT
(Immunfluoreszenztest) aus dem
Abstichpräparat |
 | PCR |
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 | potentiell infektiöse und
therapiebedürftige Infektion |
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Befundinterpretation:
Epidemiologie:
 | weltweite Verbreitung |
 | Männer erkrankten etwa doppelt so
häufig wie Frauen |
 | Inzidenzrate 2002: 2,8
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner |
 | zunehmende Ausbreitung unter
homosexuellen Männern |
 | einziges Reservoir des Erregers
ist der Mensch |
Infektion:
 | sexuelle Übertragung:
 | Mikroläsionen in der
Schleimhaut als Eintrittspforte |
 | Geschlechtsverkehr mit einem
infizierten Partner führt in
etwa 30 % zu einer Infektion |
 | Stadium I →
hochinfektiös |
 | Stadium II →
infektiös |
 | Stadium III →
trotz schwerwiegender Klinik
keine Infektiosität! |
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 | Übertragung durch Bluttransfusionen
(werden heute getestet!) |
 | diaplazentare Übertragung von
einer infizierten Mutter auf ihr
ungeborenes Kind. |
Inkubationszeit:
 | durchschnittlich 14-24 Tage |
 | Inkubationszeiten zwischen 10 und
90 Tagen sind beschrieben |
Definition:
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Stadium |
Vorkommen |
| Frühsyphilis |
 | primäre Syphilis (Primärstadium) |
 | sekundäre Syphilis (Sekundärstadium) bis 1 Jahr
post infectionem |
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| Spätsyphilis |
 | tertiäre Syphilis (Tertiärstadium) |
 | Neurolues (viertes Stadium) |
 | oder eine latente Syphilis
unbekannter Dauer |
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Krankheitsverlauf:
 | nur die Hälfte der Infektionen führen zu einem symptomatischen Verlauf |
 | unbehandelt
tritt im Laufe von Jahren bei etwa 30 % der Patienten eine Spontanheilung ein
(Oslo-Studie) |
 | Latenzstadien (klinisch unauffällige, aber floride Infektion) :
 | bis zu zwei Jahren nach
Infektion → früh latente Syphilis |
 | ab zwei Jahren → spät latente Syphilis
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 | Primärstadium:
 | Inkubationszeit 2-12 Wochen |
 | Primäraffekt:
 | Ulcus durum, harter Schanker:
 | an der Eintrittsstelle des Erregers (Penis, Cervix; je
nach Sexualpraktiken auch extragenitale Läsionen) |
 | derbe, hirsekorngroße Induration aus der im Verlauf ein schmerzloses Ulkus mit hartem Randwall
entsteht |
 | häufigste Lokalisation:
 | Mann → Glans penis und Sulcus
coronarius |
 | Frau → Labien |
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 | Später Ausbildung eines sogenannten Primärkomplexes:
 | Primäraffekt + schmerzlose, geschwollenen lokale Lymphknoten |
 | Abheilung nach etwa 4–6 Wochen |
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 | ohne Therapie ist
der Übergang in weitere Stadien möglich |
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 | Sekundärstadium:
 | 4–10 Wochen nach dem Primärstadium:
 | hämatogene und lymphogene Generalisation |
 | Allgemeinsymptome:
 | Fieber |
 | Abgeschlagenheit |
 | Kopfschmerzen |
 | generalisierte LK-Schwellungen |
 | Splenomegalie |
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 | Hauterscheinungen (Eruptionsstadium):
 | generalisiertes roseolenartiges Exanthem (makulöses Syphilid oder
Roseola) |
 | makulopapulöses Exanthem (Stamm) |
 | Condylomata lata im Ano-Genitalbereich (breite,
nässende, hochkontagiöse Papeln, die sich nicht zurückbilden,
hochinfektiös) |
 | kleinflächige, mottenfraßartige Alopezie
(Alopecia specifica areolaris) |
 | Schleimhaut: Plaques muqueuses |
 | Leukodermie |
 | bei Haaren auf dem Kopfes und besonders im
Bartbereich treten himbeer- bis blumenkohlähnliche Papillome auf (frambösiformes
Syphilid) |
 | Syphilide der Hohlhand oder der Fußsohlen
(Palmoplantarsyphilide) |
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 | generalisierte Lk-Schwellung |
 | etwa 2
Jahre nach Infektion klingen die Hauterscheinungen ab (Lues latens seropositiva) |
 | ein intermittierender Verlauf über Jahre ist möglich
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 | Tertiärstadium (Organmanifestationen):
 | nach Monaten bis Jahren. |
 | Haut:
 | tuberöse Hautveränderungen:
 | gruppierte, oft halbmondförmige, plane, flach erhabene oder
tuberöse Effloreszenzen → zentrale Rückbildung
mit Atrophie
oder Ulzerationen (tuberoulceroserpiginöses Syphilid) und teils
austernschalen-artiger Krustenbildung |
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 | ulzerierende granulomatöse Veränderungen (Gummen), die jedes Organ
befallen können:
 | subkutane, schmerzlose, elastische Tumore → zentrale, langsame Einschmelzung
(Gumma) → Entleerung (fadenziehenden,
gekörnte Flüssigkeit) |
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 | Knochenzerstörungen (z.B. Sattelnase) |
 | Mesaortitis luetica mit Komplikationsrisiken:
 | 10–30 Jahre nach der Infektion |
 | Koronarstenose |
 | thorakales
Aortenaneurysma, Rupturgefahr
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 | Neurolues (viertes Stadium):
 | 20-25 Jahre nach Infektion |
 | bei 15-40 % der
unbehandelten Luespatienten kommt es nach langjährigem
Verlauf zu einer Neurolues |
 | Tabes dorsalis:
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Degeneration der Hinterstränge im Rückenmark |
 | Schmerzattacken und Hyporeflexie, die meist Unterleib und und Beine
betreffen |
 | Ataxie |
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 | progressive Paralyse:
 | parenchymatöse Syphilis |
 | neurologische und psychiatrischen Auffälligkeiten:
 | z.B. Argyll-Robertson-Phänomen (eingeschränkte Lichtreaktion bei
normaler Konvergenzreaktion) |
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 | Parästhesien bzw. Paraplegie |
 | führt unbehandelte führt binnen 4–5 Jahren
zum Tod |
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 | chronische Meningitis:
 | Hirnnervenparesen |
 | Hirndrucksteigerung |
 | intellektueller Abbau bis zur Demenz |
 | Aphasie |
 | Krampfanfälle |
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 | asymptomatische Verläufe sind möglich (Lues-Nachweis im Liquor ohne
Klinik)
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 | Lues connata:
 | in der Regel kommt es ab dem 4.–5.
Schwangerschaftsmonat durch eine diaplazentare Übertragung zur
intrauterinen Infektion |
 | die unbehandelte Erkrankung führt in ca. 70 % der Fälle zum Abort oder zur
(Früh-)Geburt syphiliskranker Neugeborener |
 | Nur etwa 15 % der unbehandelten Kinder werden gesund
geboren |
 | ca. 16 % der erkrankten Neugeborenen weisen bei der
Geburt Symptome auf, der Rest entwickelt sie in der 2.-12. Lebenswoche |
 | klinische Symptome:
 | Lues connata präcox:
 | Neugeborene und Säuglinge |
 | Rhinitis syphilitica (Koryza syphilitica) mit eitrigem,
sogenannten schnarchendem Schnupfen |
 | interstitielle
Hepatitis mit Hepato-Splenomegalie |
 | Parrot’sche Pseudoparalyse (durch eine Epiphysenlösung
der Ulna) |
 | generalisierten
Polyskleradenitis zwischen der 2. und 6. Woche |
 | periorale Infiltrate (Hochsinger’sche
Infiltrate) → radiäre Lippeneinrissen →
Narben (Parrot’sche Furchen) |
 | Blasen an Haut und Fußnägeln mit flüssig-gelblichen
Inhalt (syphilitischer Pemphigus, syphilitische Paronychie)
. |
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 | Lues connata tarda:
 | ab dem 3. Lebensjahr |
 | Sattelnase (Befall der Nasenwurzelknochen und Knorpel) |
 | Säbelscheidentibia |
 | Parrot’sche
Furchen |
 | (selten) Hutchinson’sche Trias:
 | Keratitis parenchymatosa |
 | Innenohrschwerhörigkeit |
 | tonnenförmige Veränderungen der Schneidezähne
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Therapie:
 | Therapie der Frühsyphilis:
 | Procain-Benzylpenicillin
600.000 I.E. i.m. über 10–14
Tage |
 | oder
Benzathin-Benzylpenicillin 2,4
Mio I.E. i.m. einmalig,
vorzugsweise für nicht
therapietreue Patienten
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 | Penicillinallergie:
 | Doxycyclin (2 x 100 mg p.o.
über 14 Tage) |
 | oder Ceftriaxon (2 g
i.m. oder i.v. über 14
Tage)
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 | Therapie der Spätsyphilis:
 | Procain-Benzylpenicillin 1,2
Mio I.E. i.m. über 14–21 Tage |
 | oder
Benzathin-Benzylpenicillin 2,4
Mio I.E. i.m. Tag 1, 8 und 15 (CAVE:
Eingeschränkte
Liquorgängigkeit) |
 | oder Doxycyclin 2 x 200
mg p.o. über 21 Tage
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 | Therapie der Neurosyphilis:
 | Penicillin G 6 x 5 Mio I.E.
i.v. über 14–21 Tage |
 | oder Doxycyclin 2 x 200
mg p.o. über 21–30 Tage
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 | konnatale Syphilis:
 | stationären Behandlung! |
 | Penicillin G i.v. oder i.m. 2–3
x 50.000 I.E. pro kg KG für 10
Tage. Bei Frühsyphilis und
gleichzeitiger HIV-Infektion ist
die
Benzathin-Penicillinbehandlung
nicht immer ausreichend.
Läsionen können unter
Penicillintherapie über mehr
als 3 Monate persistieren.
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 | Hinweis:
 | Durch raschen Erregerzerfall
unter Therapie kann es zu
toxischen systemischen
Reaktionen kommen
(Schüttelfrost, Fieber,
Kopfschmerzen). Diese sogenannte
Jarisch-Herxheimer-Reaktion kann
durch Cortison-Präparate
behandelt werden. |
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Meldepflicht:

nicht-sexuell übertragbare Treponema-Infektionen
(Schmierinfektion, Speichel)
Treponema pallidum Subspezies Pertenue: Frambösie
 | papillomatöse Hauterkrankung, die hauptsächlich Kinder
in den Tropen befällt. |
 | durch die Bildung von Hyperkeratosen und Gummata kann es
zu Gelenkversteifungen kommen |
Treponema pallidum Subspezies Endemicum: Bejel
 | syphilisähnliche Erkrankung der Schleimhäute, die
Kinder in Afrika und im vorderen Orient befällt. |
 | durch Gummenbildung kommt es zu Schleimhautstrikturen und
Verstümmelungen (Dysphagie, respiratorischer Obstruktion) |
Treponema carateum Subspezies Endemicum: Pinta
 | Hauterkrankung in Südamerika, die depigmentierte
Hautareale (Leukoderma) hinterläßt. |

Siehe auch:
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